Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.
Warner Bros Discovery prüft neues Paramount Skydance Angebot und empfiehlt weiterhin Netflix Vereinbarung

Warner Bros Discovery steht vor strategischer Entscheidung zwischen Paramount Skydance Angebot und Netflix Vertrag
Warner Bros Discovery befindet sich im Zentrum eines milliardenschweren Bieterwettstreits, der die globale Medienlandschaft nachhaltig verändern könnte. Der Vorstand dürfte den Aktionären vor Handelsbeginn mitteilen, dass das neue Paramount Skydance Angebot geprüft wird, während gleichzeitig die bereits unterzeichnete Vereinbarung mit Netflix weiterhin empfohlen wird.
Diese doppelte Linie zeigt, wie komplex groß angelegte Transaktionen im Mediensektor geworden sind. Bewertung, rechtliche Verpflichtungen und strategische Ausrichtung müssen gleichzeitig berücksichtigt werden.
Warner Bros Discovery zwischen zwei Großangeboten
Netflix hat eine Vereinbarung im Wert von rund 83 Milliarden Dollar unterzeichnet. Der Streaming Konzern würde die Studios und Streaming Geschäfte von Warner Bros Discovery zu 27,75 Dollar pro Aktie in bar übernehmen. Die Aktionäre von Warner Bros Discovery sollen im Gegenzug Anteile an Discovery Global behalten, einer geplanten Abspaltung mit linearen Sendern wie CNN, TBS sowie Discovery Plus.
Demgegenüber steht ein deutlich höheres Angebot von Paramount Skydance in Höhe von rund 108 Milliarden Dollar für das gesamte Unternehmen einschließlich der Kabelkanäle. Details zum überarbeiteten Paramount Skydance Angebot sind noch nicht vollständig veröffentlicht, jedoch deutet vieles auf einen Preis pro Aktie von über 31 Dollar hin.
Für Aktionäre ist der Unterschied zwischen 27,75 Dollar und über 31 Dollar pro Aktie erheblich, insbesondere in einem Umfeld steigender Finanzierungskosten.
Rechtliche Bindungen begrenzen den Handlungsspielraum
Obwohl der Vorstand das Paramount Skydance Angebot prüft, ist Warner Bros Discovery rechtlich verpflichtet, die unterzeichnete Netflix Vereinbarung weiterhin zu empfehlen, solange vertragliche Bedingungen nicht erfüllt oder geändert werden.
Sollte Warner Bros Discovery das Paramount Skydance Angebot offiziell in Betracht ziehen, hätte Netflix vier Tage Zeit, das neue Angebot zu übertreffen oder anzupassen. Alternativ könnte sich Netflix aus dem Bieterprozess zurückziehen.
Die Führung von Netflix hat wiederholt betont, dass man bereit sei, auf Transaktionen zu verzichten, wenn die Bewertung nicht mehr wirtschaftlich vertretbar ist. Diese Kapitaldisziplin könnte nun entscheidend werden.
Strategische Auswirkungen auf die Medienbranche
Das Paramount Skydance Angebot wird von erheblichem Kapital gestützt. Neben Larry Ellison und RedBird Capital Partners sind auch Bank of America, Citigroup und Apollo Global Management in die Finanzierung eingebunden. Darüber hinaus fließen Mittel aus Staatsfonds aus Saudi Arabien, Katar und Abu Dhabi.
Damit ist das Paramount Skydance Angebot nicht nur eine industrielle Konsolidierung, sondern auch eine Transaktion mit globaler Kapitalbeteiligung.
Für Warner Bros Discovery geht es nicht ausschließlich um den höchsten Preis. Entscheidend sind auch:
Strategische Kontrolle
Langfristige Unternehmensstruktur
Regulatorische Risiken
Verschuldungsgrad
Nachhaltige Cashflow Perspektiven
Unterschiedliche Zukunftsmodelle
Die Netflix Vereinbarung würde eine klarere Struktur schaffen, indem Studios und Streaming gebündelt und lineare Sender abgespalten werden. Dies könnte die Bilanz transparenter machen und die operative Fokussierung verbessern.
Das Paramount Skydance Angebot hingegen setzt auf eine vollständige Integration von Warner Bros Discovery in einen größeren Konzern. Synergiepotenziale sind möglich, jedoch gehen sie mit Integrationsrisiken einher.
In einem Markt, in dem lineares Fernsehen an Bedeutung verliert, bleibt die Frage, ob traditionelle Kabelgeschäfte langfristig Werttreiber oder Belastung sind.
Aktionärsentscheidung vor der Abstimmung am 20 März
Die Aktionäre von Warner Bros Discovery sollen am 20 März über die Netflix Vereinbarung abstimmen. Die Empfehlung des Vorstands spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein signifikant höheres Paramount Skydance Angebot könnte jedoch zusätzlichen Druck erzeugen.
Der Unterschied zwischen 83 Milliarden Dollar und 108 Milliarden Dollar ist substanziell. Dennoch müssen Investoren auch bewerten:
Transaktionssicherheit
Finanzierungsstabilität
Genehmigungswahrscheinlichkeit
Integrationskomplexität
Langfristige Ertragskraft
Finanzielle Einordnung
Die Medienbranche steht seit Jahren unter Druck. Hohe Investitionen in Streaming Inhalte, intensiver Wettbewerb und schwächere Werbeeinnahmen haben zu steigender Verschuldung geführt.
Warner Bros Discovery ist ein Beispiel für diesen strukturellen Wandel.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, welches Angebot höher ist, sondern welches Geschäftsmodell langfristig tragfähig erscheint.
Fazit
Warner Bros Discovery steht an einem Wendepunkt.
Der Vorstand prüft das Paramount Skydance Angebot, empfiehlt jedoch weiterhin die Netflix Vereinbarung. Der nächste strategische Schritt dürfte von Netflix ausgehen.
Für Aktionäre ist es eine klassische Abwägung zwischen höherem Kaufpreis und höherem Umsetzungsrisiko.
Das Ergebnis könnte die Kräfteverhältnisse in der internationalen Unterhaltungsindustrie nachhaltig verändern.
