0 6 Minuten

Ist Ihre Kryptowährung tot – oder wurde sie vom Markt bereits abgeschrieben?

Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.

Ein Markt voller stiller Verluste

Der Kryptomarkt hat in den letzten Jahren eine Phase massiver Bereinigung durchlaufen. Während Aufmerksamkeit ofte rettes mot kursraketter og nye Hypes, har en langt mer brutal utvikling pågått i bakgrunnen: Millionen von Kryptowährungen sind faktisch wertlos geworden, lange bevor viele Anleger dies akzeptiert haben.

Branchendaten zeigen, dass allein im vergangenen Jahr rund 11,6 Millionen Token auf null gefallen sind. Das entspricht mehr als 30.000 gescheiterten Projekten pro Tag. Zwar handelte es sich bei vielen um kurzlebige Memecoins, doch ein erheblicher Teil befand sich auch in privaten Portfolios – gehalten in der Hoffnung auf eine Erholung, die nie kam.

Was im Kryptomarkt tatsächlich passiert ist

Seit 2021 ist mehr als die Hälfte aller erfassten Krypto-Projekte gescheitert. Statistisch gesehen war die Wahrscheinlichkeit, mit einem zufällig gewählten Altcoin Totalverlust zu erleiden, schlechter als ein Münzwurf.

Das vergangene Jahr markierte jedoch eine neue Dimension. Rund 86 % aller Krypto-Todesfälle der letzten fünf Jahre ereigneten sich innerhalb eines einzigen Jahres. Ein Großteil davon folgte auf ein historisches Liquidationsereignis im Oktober, bei dem innerhalb weniger Stunden rund 19 Milliarden US-Dollar an gehebelten Positionen ausgelöscht wurden.

Besonders hart traf es Projekte mit geringer Liquidität und dünnen Orderbüchern. Viele Token verschwanden praktisch über Nacht, während der Gesamtmarkt bis heute Mühe hat, stabile Strukturen zurückzugewinnen.

Die Industrialisierung des Token-Scheiterns

Marktvolatilität allein erklärt diese Entwicklung nicht. Zwischen 2024 und 2025 wurde die Erstellung neuer Tokens weitgehend automatisiert. Die Einstiegshürden fielen nahezu auf null. Die Zahl der Krypto-Projekte explodierte von rund 400.000 im Jahr 2021 auf über 20 Millionen Ende 2025.

Der überwiegende Teil dieser Projekte verfügte weder über ein Produkt noch über ein belastbares Geschäftsmodell, ein aktives Entwicklerteam oder einen realen Anwendungsfall. Viele existierten ausschließlich als kurzfristige Spekulationsobjekte, angetrieben durch Influencer-Marketing und künstlich erzeugtes Handelsvolumen.

Das Ergebnis ist ein Markt, in dem Scheitern nicht mehr die Ausnahme, sondern der Regelfall ist.

Wann gilt eine Kryptowährung als tot?

Technisch gesehen kann ein Token auf einer Blockchain ewig existieren. Smart Contracts verschwinden nicht. Doch technische Existenz ist nicht gleich wirtschaftliches Leben.

In der Praxis entscheiden Liquidität und Aktivität darüber, ob ein Projekt noch relevant ist. Es gibt keinen offiziellen Stichtag für den „Tod“ einer Kryptowährung, doch bestimmte Warnsignale sind eindeutig.

Fehlende Handelsaktivität

Bleiben Transaktionen über Tage, Wochen oder Monate aus, ist ein Projekt faktisch verlassen. Ohne Volumen gibt es keine Preisfindung – und keine realistische Möglichkeit, eine Position zu schließen, ohne den Restwert selbst zu zerstören.

Delistings von Börsen

Wird ein Token von Handelsplattformen entfernt, verschwindet meist auch die verbleibende Liquidität. Gründe sind in der Regel geringes Handelsvolumen, ausbleibende Entwicklung oder regulatorische Risiken.

Projekte, die nie größere Börsen erreicht haben und anschließend von kleineren Plattformen entfernt werden, haben statistisch kaum Chancen auf ein Comeback.

Rug Pulls und Betrugsfälle

Manche Kryptoprojekte sterben nicht langsam, sondern werden gezielt zerstört. In diesen Fällen ziehen Entwickler die gesamte Liquidität ab und verschwinden. Der Token bleibt sichtbar im Wallet, besitzt aber keinen ökonomischen Wert mehr.

Die Verluste durch solche Praktiken beliefen sich in den letzten Jahren auf Milliardenbeträge.

Krypto-Zombies: Formal existent, wirtschaftlich bedeutungslos

Nicht jedes gescheiterte Projekt verschwindet vollständig. Viele werden zu sogenannten Krypto-Zombies: weiterhin gelistet, teils mit hoher Marktkapitalisierung, aber ohne nennenswerte Aktivität, Einnahmen oder Adoption.

Solche Projekte werden oft durch ihren Namen oder die Hoffnung auf eine zukünftige Nutzung getragen – eine Nutzung, die immer „kurz bevorsteht“, aber nie eintritt.

Für Anleger ist dies besonders gefährlich, da aggregierte Marktdaten ein falsches Bild von Stabilität vermitteln können.

Warum Liquidität wichtiger ist als Marktkapitalisierung

Die Marktkapitalisierung ist ein trügerischer Wert, wenn sie isoliert betrachtet wird. Ein Token kann mit Hunderten Millionen Euro bewertet sein, während in den Liquiditätspools nur wenige zehntausend Euro liegen.

In solchen Fällen ist die Bewertung faktisch bedeutungslos. Reicht bereits ein kleiner Verkaufsauftrag, um den Kurs einbrechen zu lassen, existiert keine echte Exit-Möglichkeit.

Gesunde Projekte verfügen in der Regel über eine Liquidität von etwa 1–5 % ihrer Marktkapitalisierung. Deutlich darunter steigt das Risiko exponentiell.

Entwickleraktivität und manipulierte Signale

Für Projekte mit technologischem Anspruch ist Entwickleraktivität ein zentraler Indikator. Fehlende oder rein kosmetische Updates deuten oft auf Stillstand hin.

Allerdings wird auch dieses Signal zunehmend manipuliert. Manche Projekte simulieren Aktivität durch minimale Codeänderungen oder kopierte Repositories, ohne tatsächlichen Fortschritt zu liefern.

Deshalb ist es entscheidend, Volumen, Liquidität und echte Entwicklungsarbeit gemeinsam zu bewerten.

Analyse: Hoffnung versus Marktstruktur

Der Kryptomarkt belohnt keine Hoffnung. Die historische Erfahrung zeigt, dass die überwiegende Mehrheit der gescheiterten Token nicht zurückkehrt. Ausnahmen existieren, bleiben aber selten.

Entscheidend ist die Marktstruktur: steigende Tiefs, zunehmendes Volumen und stabile Liquidität. Narrative und Erklärungen folgen meist erst im Nachhinein.

Viele Verluste werden realisiert, lange bevor sie emotional akzeptiert werden.

Was das für Anleger bedeutet

Für Privatanleger ist die Erkenntnis unbequem, aber notwendig:
Die meisten Kryptowährungen scheitern. Viele sind wirtschaftlich tot, lange bevor dies offen sichtbar wird.

In einem Markt, der von Überangebot, geringer Qualität und struktureller Spekulation geprägt ist, entscheidet nicht die Geschichte eines Projekts über sein Überleben – sondern Liquidität, Aktivität und Marktstruktur.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert