Die USA treten erneut aus dem Pariser Abkommen aus – globale Folgen für Klimapolitik, Wirtschaft und internationale Zusammenarbeit

Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.
Hintergrund
Ab Mittwoch werden die Vereinigten Staaten offiziell erneut aus dem Pariser Klimaabkommen austreten. Das Abkommen soll die globale Erwärmung deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen. Es ist bereits das zweite Mal, dass die USA das Abkommen verlassen. Donald Trump hatte den Austritt 2020 während seiner ersten Amtszeit vollzogen, bevor die Entscheidung unter Präsident Joe Biden rückgängig gemacht wurde.
Der erneute Austritt ist mehr als ein politisches Signal. Die USA sind der zweitgrößte Emittent von Treibhausgasen weltweit. Ihr Fernbleiben vom zentralen Rahmen der internationalen Klimakoordination hat daher weitreichende politische, wirtschaftliche und institutionelle Konsequenzen.
Was ist geschehen
Kurz nach Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump kündigte die Regierung den erneuten Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen an. Die Entscheidung fällt in ein anderes globales Umfeld als beim ersten Austritt. Damals bestand die Erwartung, dass eine künftige Regierung den Schritt rasch korrigieren würde, was letztlich auch geschah.
Die aktuelle Lage ist jedoch deutlich unsicherer. Zusätzlich zum Pariser Abkommen signalisiert die Trump-Administration, dass auch ein Rückzug aus der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) möglich ist – jenem übergeordneten Vertrag, auf dem das internationale Klimaregime basiert. Ein solcher Schritt würde einen tiefgreifenderen Bruch mit der globalen Klimagovernance bedeuten als zuvor.
Ein struktureller Bruch in der globalen Klimakooperation
Wiederholte Austritte der USA untergraben die Planbarkeit, auf die internationale Klimapolitik angewiesen ist. Das Pariser Abkommen lebt von langfristigen Verpflichtungen, gegenseitigem Vertrauen und einer schrittweisen Erhöhung nationaler Ambitionen. Wenn einer der größten Emittenten innerhalb weniger Jahre erneut aussteigt, wird die Stabilität des gesamten Systems infrage gestellt.
Zugleich entsteht ein problematischer Präzedenzfall. Der Rückzug eines zentralen Akteurs erhöht das Risiko, dass andere Staaten ihre eigenen Verpflichtungen abschwächen. Die Gefahr besteht, dass ein globales Klima der geringeren Verantwortung entsteht.
Folgen für internationale Institutionen
Die Entscheidung setzt internationale Normen und Institutionen zusätzlich unter Druck. Die Klimazusammenarbeit war lange eines der wenigen Felder, in denen trotz geopolitischer Rivalitäten eine breite globale Koordination möglich blieb.
Sollten sich die USA sowohl vom Pariser Abkommen als auch von der UNFCCC entfernen, würde die institutionelle Infrastruktur der globalen Klimapolitik erheblich geschwächt. Dies könnte zu einer stärkeren Fragmentierung der Maßnahmen, geringerer Durchsetzungskraft und einer Verlagerung hin zu regionalen oder bilateralen Initiativen führen.
Wirtschaftliche Auswirkungen
Der erneute Austritt der USA hat auch klare wirtschaftliche Folgen. Klimapolitik beeinflusst Investitionsströme, Kapitalallokation und industrielle Strategien. Das Pariser Abkommen diente den Märkten als langfristiges Signal für den Übergang zu einer emissionsärmeren Wirtschaft.
Mit dem Rückzug der USA wächst die regulatorische Unsicherheit auf globaler Ebene. Dies kann Energie- und Rohstoffmärkte, Investitionen in saubere Technologien sowie langfristige Planungen in Industrie und Finanzsektor beeinträchtigen. Gleichzeitig könnten Regionen wie die Europäische Union oder China, die an ihren Klimazielen festhalten, relativ an Attraktivität gewinnen.
Marktreaktionen und Investorenperspektive
Finanzmärkte beobachten die Entwicklung aufmerksam. Für Investoren sind politische Stabilität und regulatorische Verlässlichkeit entscheidend. Die wiederholten Kurswechsel der US-Klimapolitik erhöhen die wahrgenommene politische Unsicherheit, insbesondere bei klimabezogenen Investitionen in den Vereinigten Staaten.
Gleichzeitig eröffnet der Rückzug der USA anderen Akteuren Spielraum für mehr Einfluss. Die EU und China haben öffentlich bekräftigt, ihre Klimaverpflichtungen unabhängig von politischen Veränderungen in Washington einzuhalten. Langfristig könnte dies globale Investitionsströme und technologische Führungspositionen neu ordnen.
Risiken und Analyse
Das größte Risiko besteht in einer nachhaltigen Erosion des Vertrauens. Internationale Klimakooperation setzt voraus, dass Zusagen als dauerhaft und gegenseitig wahrgenommen werden. Ein zweiter US-Austritt verstärkt Zweifel an politischer Verlässlichkeit.
Hinzu kommt das erhöhte Risiko, globale Klimaziele zu verfehlen. Bereits heute steuert die Welt auf eine Erwärmung jenseits der 1,5-Grad-Marke zu. Ohne aktive Beteiligung eines der größten Emittenten vergrößert sich die Lücke zwischen Zielen und tatsächlicher Entwicklung weiter.
Was das für die Zukunft bedeutet
Der erneute Austritt der USA aus dem Pariser Abkommen markiert einen Wendepunkt in der globalen Klimapolitik. Kurzfristig schwächt er Koordination und Vertrauen zwischen den wichtigsten internationalen Akteuren. Langfristig könnte er eine stärker fragmentierte Weltordnung beschleunigen, in der regionale Blöcke die Führung übernehmen – oder in der das globale Ambitionsniveau sinkt.
Für Finanzmärkte und Investoren bedeutet diese Entscheidung ein höheres politisches Risiko, aber auch neue strategische Chancen. Wie die internationale Gemeinschaft auf das Fehlen der USA reagiert, wird entscheidend für den weiteren Verlauf der Klimapolitik und der wirtschaftlichen Transformation in den kommenden Jahren sein.
