EU und Indien schließen historisches Handels- und Sicherheitspartnerschaftsabkommen über 1,88 Billionen Euro

Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.
Die Europäische Union und Indien haben ein umfassendes strategisches Partnerschaftsabkommen vorgestellt, das Handel, Sicherheit, Technologie und Mobilität in einem Gesamtpaket im Wert von 1,88 Billionen Euro vereint. Das Abkommen markiert einen grundlegenden Wandel in der globalen Wirtschaftsordnung.
Ein Handelsabkommen zwischen Wirtschaftsgiganten
Der wirtschaftliche Kern des Abkommens schafft einen integrierten Markt mit nahezu zwei Milliarden Menschen und verbindet die zweit- und viertgrößte Volkswirtschaft der Welt. Vorgesehen sind deutliche Zollsenkungen mit jährlichen Einsparungen von rund 4 Milliarden Euro für Exporteure auf beiden Seiten.
Indiens Größe, Dienstleistungen und Arbeitskräfte werden mit Europas Kapital, Technologie und Innovationskraft verknüpft, um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen.
Stärkung der Lieferketten
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen zielt das Abkommen darauf ab, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen und strategische Abhängigkeiten zu reduzieren. Eine engere industrielle Zusammenarbeit soll beide Wirtschaftsräume besser gegen externe Schocks absichern.
Erstmals formelles Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft
Erstmals vereinbaren die EU und Indien eine strukturierte Sicherheits- und Verteidigungskooperation. Diese umfasst maritime Sicherheit, gemeinsame Marineübungen, Maßnahmen gegen Piraterie, Cyberabwehr, hybride Bedrohungen sowie Terrorismusbekämpfung.
Darüber hinaus wird ein Dialog zur Weltraumsicherheit aufgenommen und Verhandlungen über ein Abkommen zum sicheren Informationsaustausch gestartet.
Technologie, Forschung und künstliche Intelligenz
Innovation ist ein zentrales Element der Partnerschaft. Indien arbeitet auf eine Assoziierung mit Horizon Europe hin, dem weltweit größten öffentlichen Forschungsprogramm mit einem Budget von rund 100 Milliarden Euro.
Gemeinsame Initiativen sollen sich auf Gesundheit, saubere Energie, Zukunftstechnologien und vertrauenswürdige, menschenzentrierte künstliche Intelligenz konzentrieren. Ergänzt wird dies durch EU–Indien-Innovationszentren und ein Start-up-Partnerschaftsprogramm.
Mobilität und Fachkräfte
Ein Mobilitätsabkommen erleichtert künftig den Austausch von Studierenden, Forschern und hochqualifizierten Arbeitskräften. Zusätzlich eröffnet die EU ihr erstes juristisches Gateway-Büro in Indien, um Talentmobilität im Einklang mit dem europäischen Arbeitsmarkt zu fördern.
Geopolitische Bedeutung
Das Abkommen unterstreicht die Entscheidung beider Seiten für Kooperation in einer zunehmend fragmentierten Welt. Durch die enge Verknüpfung von Wirtschaft, Sicherheit und Technologie positionieren sich EU und Indien als stabilisierende Kräfte im globalen System.
