Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.
Wall-Street-Veteran: „Verkaufen Sie alles, was Sie in den USA besitzen“
Einer der erfahrensten Makro-Investoren der Wall Street kehrt dem US-Markt den Rücken. Nach 40 Jahren im Finanzgeschäft ist er überzeugt: Das Chancen-Risiko-Verhältnis hat sich verschoben – und Kapital sollte außerhalb der Vereinigten Staaten arbeiten.
Andy Constan steigt vollständig aus US-Investments aus

Der Gründer und Chief Investment Officer Andy Constan von Damped Spring Advisors verfügt über vier Jahrzehnte Erfahrung an der Wall Street. Er war unter anderem bei Bridgewater Associates tätig, dem von Ray Dalio gegründeten Hedgefonds.
Nun sendet er ein deutliches Signal: Raus aus den USA.
Bereits Anfang des vergangenen Jahres begann Constan, seine US-Exponierung schrittweise zu reduzieren. Im Januar war sein „Long-only“-Portfolio vollständig aus amerikanischen Aktien und Anleihen ausgestiegen.
Für internationale Investoren mit starkem US-Gewicht stellt sich damit eine zentrale Frage: Ist die Übergewichtung der USA inzwischen ein Klumpenrisiko?
Fünfzehn Jahre US-Dominanz
Seit der Finanzkrise 2008 haben US-Anlagen die globalen Märkte klar übertroffen.
- US-Aktien, insbesondere Technologiewerte, führten die Performance an
- US-Staatsanleihen galten als sicherer Hafen
- Der US-Dollar blieb strukturell stark
Diese Dominanz führte zu massiven Kapitalzuflüssen in die Vereinigten Staaten. Doch genau diese Konzentration könnte nun zur Schwäche werden.
Wenn Investoren weltweit ähnlich positioniert sind, kann schon eine moderate Umschichtung erhebliche Marktbewegungen auslösen.
Steigende Renditen außerhalb der USA verändern das Bild

Laut Constan ist der wichtigste Treiber seiner Entscheidung der deutliche Anstieg der Anleiherenditen außerhalb der USA.
Japanische, deutsche und andere internationale Staatsanleihen bieten inzwischen wieder attraktive Verzinsungen – insbesondere mit Blick auf mögliche Rezessionsszenarien.
Zudem sieht er in Ländern wie Kanada, Großbritannien und Australien eine verbesserte Balance zwischen Aktien- und Rentenmärkten. Beide Anlageklassen böten dort aus seiner Sicht vernünftige, risikoadjustierte Ertragschancen.
Ein möglicher Nebeneffekt: Ein schwächerer US-Dollar, falls globale Investoren Kapital aus den USA abziehen.
Politische Unsicherheit in den USA
Constan verweist auch auf politische Faktoren. Er hatte zunächst geglaubt zu verstehen, welche wirtschaftspolitische Richtung Präsident Donald Trump einschlagen wollte.
Inzwischen erscheint ihm die Strategie weniger klar. Er betont jedoch, dass seine Entscheidung weder anti-amerikanisch noch politisch motiviert sei.
Es gehe ausschließlich um relative Attraktivität und Risikoabwägung. In seinen Augen sind die Investitionsmöglichkeiten außerhalb der USA derzeit besser als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen 15 Jahren.
Kapital sucht Stabilität, Planbarkeit und Rendite. Wenn andere Regionen diese Kombination überzeugender bieten, folgt das Geld.
Steht eine globale Kapitalrotation bevor?
Der globale Finanzzyklus könnte sich an einem Wendepunkt befinden. Nach einer langen Phase US-geführter Outperformance könnte nun eine Umschichtung beginnen.
Sollten institutionelle Investoren:
- ihre US-Übergewichtung abbauen
- Dollar-Positionen reduzieren
- Kapital nach Europa, Asien oder in rohstoffnahe Volkswirtschaften verlagern
könnte dies das Ende einer 15-jährigen US-Dominanz markieren.
Solche Übergänge verlaufen oft schleichend – bis sie an Dynamik gewinnen.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Privatanleger ist ein radikaler Komplettausstieg selten sinnvoll. Doch die Warnung eines erfahrenen Wall-Street-Veteranen verdient Beachtung.
Wichtige Fragen sind:
- Ist das Portfolio zu stark auf die USA konzentriert?
- Wird das Währungsrisiko bewusst gesteuert?
- Bieten internationale Märkte inzwischen bessere risikoadjustierte Renditen?
Es geht nicht um einen Zusammenbruch der US-Wirtschaft. Es geht um relative Performance.
Finanzmärkte verlaufen in Zyklen. Phasen außergewöhnlicher Stärke dauern selten ewig.
Fazit
Wenn ein Makro-Investor mit 40 Jahren Erfahrung und Hintergrund bei Bridgewater vollständig aus US-Anlagen aussteigt, ist das ein Signal für strukturelle Veränderungen.
Die Vereinigten Staaten bleiben eine führende Wirtschaftsmacht. Doch das Verhältnis von Risiko zu Ertrag könnte sich verschieben.
Für internationale Investoren ist jetzt der Moment, Diversifikation, Währungsrisiken und geografische Gewichtung kritisch zu prüfen.
Fünfzehn Jahre US-Ausnahmeperformance garantieren keine Wiederholung.
