0 6 Minuten

Geschrieben von Frode Skar, Finanzjournalist.

Zelenskyj Friedensabkommen könnte im Frühjahr per Referendum entschieden werden

Zelenskyj Friedensabkommen soll mit Wahlen und Volksabstimmung vor dem Sommer verknüpft werden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelenskyj bereitet offenbar Pläne vor, noch im Frühjahr sowohl Präsidentschaftswahlen als auch ein nationales Referendum über ein mögliches Friedensabkommen abzuhalten. Laut Financial Times erfolgt dieser Schritt nach intensivem Druck durch den US Präsidenten Donald Trump und dessen Regierung, die auf eine politische Lösung des Krieges vor Beginn des Sommers drängen.

Die Ankündigung soll demnach am 24. Februar erfolgen, dem vierten Jahrestag der russischen Großinvasion. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Zeitplan für Wahlen und Volksabstimmung, bei dem jedes Zelenskyj Friedensabkommen direkt von der ukrainischen Bevölkerung bestätigt werden müsste.

Der Zeitplan bleibt jedoch unsicher. Russland und die Ukraine liegen weiterhin weit auseinander, insbesondere in zentralen Territorialfragen. Eine erneute Eskalation russischer Angriffe auf kritische Infrastruktur oder eine Ausweitung der Bodenoffensive könnte den Prozess verzögern oder vollständig zum Stillstand bringen.

Amerikanischer Zeitdruck bestimmt den Verhandlungsrahmen

Nach Angaben aus dem Umfeld der Gespräche ist Washington der zentrale Treiber des beschleunigten Vorgehens. Die US Regierung soll klar signalisiert haben, dass alle wesentlichen Dokumente zur Beendigung des Krieges bis Ende Juni unterzeichnet sein sollen.

Zelenskyj hat diesen Zeitrahmen öffentlich bestätigt und erklärt, dass das Ziel darin bestehe, den Krieg bis zum Frühsommer zu beenden. Die Vereinigten Staaten dürften erheblichen politischen Druck auf beide Seiten ausüben, um den Prozess an diesem Zeitplan auszurichten.

Für Zelenskyj bedeutet dies einen engen politischen Handlungsspielraum. Ein Zelenskyj Friedensabkommen muss nicht nur international ausgehandelt, sondern auch innenpolitisch legitimiert werden, während das Land weiterhin unter Kriegsrecht steht.

Zelenskyj Friedensabkommen stößt auf rechtliche und politische Hürden

Der ukrainische Präsident hat wiederholt betont, dass Wahlen oder Referenden unter Kriegsrecht rechtlich nicht zulässig sind. Millionen Ukrainer sind auf der Flucht, und rund 20 Prozent des Staatsgebiets befinden sich weiterhin unter russischer Besatzung.

Diese Rahmenbedingungen werfen grundlegende Fragen zur demokratischen Legitimität auf. Eine Volksabstimmung über ein Zelenskyj Friedensabkommen müsste in einem Land stattfinden, in dem große Teile der Bevölkerung keinen regulären Zugang zu Wahllokalen haben und politische Debatten durch Sicherheitsauflagen stark eingeschränkt sind.

Gleichzeitig hat Zelenskyj stets darauf verwiesen, dass ein dauerhafter Frieden ohne ein direktes Mandat der Bevölkerung politisch nicht tragfähig wäre. Ein Referendum gilt daher als zentraler Baustein für langfristige Stabilität, unabhängig von den inhaltlichen Zugeständnissen eines Abkommens.

Gefahr symbolischer Entscheidungen

Politische Beobachter warnen davor, dass Wahlen und Volksabstimmung weitgehend symbolischen Charakter annehmen könnten, falls die strittigsten Punkte nicht vorab geklärt werden. Besonders territoriale Fragen bergen erhebliches innenpolitisches Konfliktpotenzial.

Russland drängt weiterhin darauf, dass die Ukraine die Kontrolle über Teile des Donbas aufgibt, wo die Kämpfe anhalten. Die Regierung in Kyjiw hat solche Forderungen kategorisch zurückgewiesen. Damit bleiben die Spielräume für ein Zelenskyj Friedensabkommen äußerst begrenzt, ungeachtet des amerikanischen Zeitdrucks.

Mögliche direkte Gespräche in den USA

Parallel zu den Plänen für Wahlen und Referendum hat Zelenskyj bestätigt, dass sowohl die Ukraine als auch Russland zu direkten, persönlichen Gesprächen in den Vereinigten Staaten eingeladen wurden. Als möglicher Ort wird Miami genannt, auch wenn Zeitpunkt und Ablauf bislang nicht offiziell bestätigt sind.

Die Ukraine hat ihre Teilnahme bereits zugesagt. Sollte es zu dem Treffen kommen, wäre es das erste direkte Gespräch beider Seiten auf amerikanischem Boden seit Beginn des Krieges und würde eine neue Phase der US Vermittlungsrolle markieren.

Die letzte Runde trilateraler Gespräche in den Vereinigten Arabischen Emiraten brachte keinen Durchbruch. Währenddessen dauern die Kampfhandlungen unvermindert an, sowohl an den Frontlinien als auch gegen die ukrainische Infrastruktur.

Militärischer Druck im Hintergrund

Während diplomatische Initiativen diskutiert werden, setzt Russland seine militärischen Operationen fort. Insbesondere im Donbas bleiben die Gefechte intensiv, und Moskau nutzt militärischen Druck offenbar gezielt als Verhandlungsinstrument.

Diese Lage erschwert jede politische Zeitplanung. Eine deutliche Eskalation an der Front könnte die innenpolitische Unterstützung für Verhandlungen rasch untergraben und die Umsetzung eines Zelenskyj Friedensabkommens gefährden.

Politischer Wendepunkt für Zelenskyj

Sollten die Pläne umgesetzt werden, könnte das Frühjahr 2026 zu einem entscheidenden Moment für die Ukraine werden. Die Kombination aus Präsidentschaftswahlen und einem Referendum über ein Zelenskyj Friedensabkommen würde das Land zwingen, grundlegende Fragen zu klären, die seit Beginn des Krieges vertagt wurden.

Für Zelenskyj persönlich stehen außergewöhnlich hohe Risiken auf dem Spiel. Das Ergebnis würde nicht nur seine politische Zukunft bestimmen, sondern auch darüber entscheiden, wie seine Rolle beim Ende des Krieges historisch bewertet wird.

Unter starkem amerikanischem Druck, anhaltender russischer Aggression und erheblichen innenpolitischen Beschränkungen nähert sich die Ukraine einer der folgenreichsten Entscheidungen ihrer jüngeren Geschichte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert